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Anmerkungen zum Welpenkauf

letzte änderung am 13. dezember 2003


Zuerst sollte man überlegen, was man von einem Hund erwartet, welche Eigenschaften der neue Hausgenosse haben sollte. Es hat keinen Sinn, sich einen Welpen einer Arbeitsrasse zu holen – möglichst auch noch aus der Leistungszucht - und von ihm dann zu erwarten, dass er sich perfekt in den Haushalt von Couchhockern einfügt. Hat man sich eine Rasse ausgesucht, ist zu überlegen, woher man den passenden Welpen bekommt.

NICHT beim Hundehändler oder Massenzüchter, NICHT im Zoogeschäft, NICHT auf dem Flohmarkt, NICHT auf Autobahnraststätten und auch NICHT aus der Samstagszeitung, wo „preiswerte, süße Welpen mit Papieren“ feilgeboten werden. Hundehändler und Massenzüchter sind inzwischen teilweise nicht mehr so leicht zu erkennen. Auch sie lesen quasi als Fortbildung mal ein Hundebuch, in dem solche Fragen besprochen werden und stellen sich auf die dort vorgestellten Fragen ein. Es gibt zwar immer noch die „klassischen“ Angebote in Zeitungen, wo 15 Moderassen angeboten werden - davon sollte man natürlich die Finger lassen, auch wenn einem die kleinen Würmchen von Welpen und ihre Mütter in der Seele leid tun. Aber jeder Welpe, den man da kauft, macht Platz für einen neuen gequälten Welpen und bringt Profit für die Unmenschen, die Hunde unter unwürdigsten Bedingungen vermehren, also bitte keine Mitleidskäufe!!!

Also dann doch am besten beim Züchter. Aber macht einen guten Züchter aus? Er liebt seine Hunde und weiß praktisch alles über sie. Er hat sich Gedanken zur Verpaarung der Elterntiere gemacht und nicht einfach nur den Rüden um die Ecke genommen, weil es am preiswertesten war, aber auch nicht unbedingt den derzeit angesagten Championrüden, sondern einen Rüden, der sich in seinen Eigenschaften mit denen der Hündin ergänzt und gesund ist, am besten sogar schon gesunde Nachkommen gebracht hat.

Wenn er (oder sie natürlich) schon länger züchtet, besteht seine Hundemeute nicht nur aus der oder den Zuchthündinnen, sondern die Hündinnen, die zu alt für die Zucht sind, sind auch noch da und werden auch noch geliebt, beschäftigt und gepflegt. Eventuell gibt es auch einen „Rückläufer“, einen Hund aus einem vorherigen Wurf, der zurückgeholt wurde oder den die vorherigen Besitzer aus irgendwelchen Gründen abgeben mussten. Ein Züchter, der seine Exwelpen wieder aufnimmt, wenn sie Probleme haben, gewinnt zumindest schon mal einen Bonuspunkt.

Bei der Anzahl der Hunde, die ein guter Züchter halten kann, gehen die Meinungen schon auseinander. Meiner Meinung nach ist es für jemanden, der nebenher noch arbeitet, nicht möglich, alleine mehr als vier Hunde ihren individuellen Anlagen nach zu fördern und zu beschäftigen, schon gar nicht, wenn noch Welpen im Haus sind. Ausnahmen mögen diese Regel bestätigen und es soll ja auch Leute geben, die nicht arbeiten müssen.

Ein guter Züchter will alles über Sie wissen, über Ihre Vorstellung von Erziehung, Hundehaltung, wieviel Zeit sie für seinen Welpen haben, was er an Beschäftigung und Bewegung bekommen soll, wie Ihre Wohnumgebung aussieht, wie Sie auf diese Rasse gekommen sind und so weiter und so fort. Er sucht seine Welpenkäufer aus wie ein besorgter Vater den Freund seiner Tochter unter die Lupe nimmt.

Sollte ein Züchter Ihnen einen Welpen geben wollen, obwohl er Sie nur am Telefon kennen gelernt hat und eventuell sogar noch eine Anzahlung verlangen, obwohl er Sie nicht kennt und Sie natürlich auch nichts über die Hündin, die Welpen und die Aufzucht wissen (am Telefon kann man viel erzählen...), ist es besser, das Telefonat schnellstmöglich zu beenden und die Suche nach einem besseren Züchter fortzusetzen.

Und er erzählt auch gern von seinen Hunden, sowohl von der Rasse an sich als auch von seinen individuellen Hunden. Worüber er sich auch nicht ausschweigen sollte sind die „Macken“ der Rasse, sei das starker Jagdtrieb, Neigung zu HD oder Katarakt oder sonstigen Erbkrankheiten, Neigung zu Unverträglichkeit mit gleichgeschlechtlichen Hunden oder ähnliche Dinge. Reagiert er, auf solche „Schwachpunkte“ angesprochen, plötzlich schweigsam oder abweisend, so ist Vorsicht geboten!

Es ist gewiss nicht so, dass nur VDH/FCI-Züchter das Gelbe vom Ei sind – aber die Chancen, an einen Hundehändler zu geraten oder an jemanden, der ohne weitere Planung mal einfach so einen Wurf machen wollte, sind aufgrund der Auflagen, die ein Züchter im VDH hat, schon mal deutlich geringer. Dummnasen und Geschäftemacher gibt es leider aber auch unter den VDH-Züchtern, als alleiniges Gütesiegel reicht der Aufdruck nicht.

Wer sich wohlüberlegt für einen Hund ohne VDH-Papiere entscheidet, dem sei schon mal gesagt, dass er nach den Statuten der dem VDH angeschlossenen Vereine einen Mischling erwirbt und das bei allen Hundesportveranstaltungen auch so eingetragen wird. Die höheren Weihen des Agility bleiben einem mit einem Hund ohne FCI-Papiere auch versagt.

Apropos Papiere: Die Papiere gibt es zum Welpen dazu. Sie werden nicht „in ein paar Wochen zugeschickt“ – bei solchen Aussagen bekommt man meist gar keine Papiere oder aber solche, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt wurden. Das gleiche gilt für die Impfpapiere. Wenn der Züchter sie einem nicht sofort mitgeben kann, existieren sie wahrscheinlich nicht und man erwirbt einen ungeimpften Welpen mit allen Risiken.

Doch zurück zum Züchter: Die Mutterhündin sollte man sich anschauen (wenn sie nicht zu sehen ist: Finger weg! Spricht nicht für den Züchter und seine Hundehaltung!), ob sie einem vom Wesen hat gefällt. Natürlich wird sie mit einem Korb voller Welpen nicht gleich jeden fremden Besucher freundlich empfangen, sondern ihn erstmal taxieren, ob er denn in die Nähe ihrer Welpen darf. Sie sollte aber nicht einen zweistündigen Besuch lang bei jeder Bewegung des Besuchs grollen oder grundlos schnappen. Das wäre zuviel des Misstrauens und würde auch nicht dafür sprechen, dass der Züchter sie gut erzogen hat.

Wenn die Mutterhündin ein bisschen (!) zerrupft aussieht, ist das nicht unbedingt ein Zeichen für schlechte Haltungsbedingungen, denn während der Wurfaufzucht haaren die meisten Hündinnen kräftig ab. Außerdem sind 10 Welpen auch ganz schön anstrengend…
Wenn man die Chance dazu hat, lohnt es sich, auch den Vater der Welpen zu besuchen. Der ist schließlich nicht unwichtig J - die Mutterhündin leistet zwar meist viel mehr der "Aufzuchtarbeit", aber die Hälfte des genetischen Materials Ihres Welpen steuert schließlich der Vater bei.

Besuche beim Züchter sollten von beiden Seiten erwünscht sein und so oft wie möglich erfolgen : Als zukünftiger Welpenbesitzer hat man so die Möglichkeit, die Entwicklung seines zukünftigen Hausgenossens mitzuerleben; außerdem lernen Züchter und Käufer sich so besser kennen, was auch im gegenseitigen Interesse sein sollte.

Die Welpen nun endlich: Keiner kann sich dem Charme von spielenden Hundewelpen entziehen, so dass der überprüfende Blick da meist ein bisschen getrübt ist. Welpen sollten offen und freundlich sein und den Besucher einer eingehenden Untersuchung auf Spielfestigkeit unterziehen J Wenn alle Welpen erstmal Abstand wahren, dann aber bei erwiesener Gefahrlosigkeit (oder Abklärung durch die Hündin) die Welpeninteressenten mit Beschlag belegen, ist das auch okay. Über die Maßen misstrauische Welpen, desinteressierte Welpen oder gar solche, die schreiend die Flucht ergreifen, sollten einen auf dem Absatz kehrt machen lassen. Welpen sollten (außer direkt nach dem Fressen) lebhaft sein, klare und glänzende Augen haben und keinesfalls ein kotverkrustetes Hinterteil. Ein deutlich aufgetriebener Bauch deutet auf Wurmbefall hin! Dass der Welpe bei der Abgabe nicht jünger als acht Wochen sein sollte, setze ich mal als bereits bekannt voraus. Selbstverständlich sollte auch sein, dass sowohl die Hündin als auch die Welpen schon beim Züchter regelmäßig entwurmt werden.

Sauber sollte es natürlich auch sein. Drei Hundehäufchen im Auslauf sind bei einer großen Welpenschar durchaus noch als sauber zu werten, sollten aber nicht so aussehen, als seinen sie von letzter Woche. Ein klinisch reiner Auslauf ist schon wieder eher etwas, was Misstrauen weckt, da Welpen nicht hinter sich aufräumen. Der Auslauf sollte nicht eine sauber gekachelte Wanne sein, sondern Elemente zum Spielen und Lernen für die Welpen beinhalten, quasi ein Abenteuerspielplatz für Hunde sein. Es ist durchaus von Vorteil, wenn die Welpen nicht nur im Garten aufwachsen, sondern die normalen Geräusche des Haushalts kennen, wenn ihnen also Staubsauger und Waschmaschine schon alte Bekannte sind.

Vielleicht mag das dem einen oder anderen übertrieben erscheinen, was hier für ein Aufwand getrieben werden soll, um „nur einen Hund“ zu kaufen. Dazu ist einiges zu sagen:

Einen Hund hat man, wenn es gut geht, für die nächsten 12 oder mehr Jahre als Familienmitglied. Wenn man einen Welpen aus schlechten Aufzuchtverhältnissen erwirbt, kann das bedeuten, dass man diese Zeit mit einem Angstbeißer oder einem sonst sozial nicht intakten, körperlich wie seelisch nicht belastbaren Hund verbringen muß. Was das an Streß bedeutet, kann man sich vorher nur schwer vorstellen. Ein sozial sicherer Welpe ist ein „Erziehungskapital“, das mit Geld fast nicht aufzuwiegen ist!

Welpen aus Massenzucht oder Hundehandel haben oft eine charakteristische „Karriere“: Man nimmt sie mit nach Hause, sie bekommen Durchfall, müssen sich übergeben. Der im Einkauf „preiswerte“ Welpe kommt einen dann beim Tierarzt teuer zu stehen, weil er nicht geimpft und verwurmt ist, muss über Tage am Tropf ernährt werden oder geht gar binnen Tagen ein.

Ein Hund, der während seiner Prägungsphase (etwa bis zur siebten Woche) nicht oder zu wenig mit Menschen (oder auch mit nur einem Menschen) in Kontakt gekommen ist, wird selbst mit größter Anstrengung seiner Besitzer nie ein völlig entspanntes Verhältnis zu Menschen entwickeln.

Natürlich sollte man auch sein „Bauchgefühl“ dabei nicht außer Acht lassen. Wenn man menschlich mit dem Züchter nicht gut klar kommt, wenn man irgendwie den Eindruck hat, etwas stimme nicht – lieber die Finger von diesen Welpen lassen.

Und nochmals: Bitte keine Mitleidskäufe!
 

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